Tagged: Stichelei

Rechthaberei & Paranoia

Die Aufforderung, die eigene Meinung absolut zu setzen, ist Seelenbalsam für den sich ausbreitenden Typus des enthemmten Subjektivisten. Das nachbürgerliche Subjekt, das es zum rechthaberischen Politisieren treibt, kompensiert seine reale Ohnmacht durch die affektive Besetzung der eigenen Meinung, deren triumphale Inszenierung das Gefühl verschafft, zu denen zu gehören, die wissen, wo es lang geht.

Warum behauptet der Nachbürger David Schneider über die AfD zu reden, wo die Stalinisten-Sekte “Bahamas” doch sich selber im Spiegel erkennen müßte? Die Antwort lesen sie mal wieder nicht bei Justus Wertmüller, sondern Siggi Freud.

Heinzelmännchen im Dortmunder Norden

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Kürzlich wurde in der Dortmunder Nordstadt eine ehemalige Kirche besetzt. Eine Woche lang „herrschte reges Treiben“, als fleißige Heinzelmännchen „aus allen Bereichen und Altersklassen“ in dem Gebäude das „Soziale Zentrum Avanti“ aufbauten, das sie mit „Kunstausstellungen, Konzerten und Hüpfburgen“ zum Leben erweckten. Man war auch bereits mit den Eigentümern in Verhandlungen getreten, sodass alles bald in rechtlich einwandfreie Bahnen gelenkt worden wäre. Aber leider hat die Polizei diese Verhandlungen „zunichte gemacht“, und völlig grundlos eine „Eskalation der Situation“ herbeigeführt, indem sie die so friedlichen, harmlosen und sozialverträglichen Besetzerinnen aus dem Haus geworfen hat.

So kann man es in einem Flugblatt der Avanti-Leute nachlesen, das auf der Demo am Abend der Räumung verteilt wurde. Über den Lautsprecherwagen wurde dann noch gejammert, dass es ungerecht sei, die im Zentrum aus- und eingehende bunte Menge, unter der sich auch zahlreiche Kinder befunden hätten, pauschal als verbrecherisch darzustellen, nur weil zwei Leute vom Dach Steine auf Nazis geworfen hätten.

Die Polizei weiß es besser. Ihr ist bekannt, dass das Bemerkenswerte an einem autonomen Zentrum nicht Hüpfburgen oder Konzerte sind, die man auf jedem Sparkassenfest finden kann, sondern, dass solche Zentren zumindest der Möglichkeit nach auch Brutstätten subversiver Gedanken und Taten sind, deren Ziel es ist, die bestehende Herrschafts- und Ausbeutungsordnung umzustürzen. Deshalb hat sie das Gebäude geräumt. Man braucht dies nicht als „Eskalation“ zu skandalisieren, sie ging damit lediglich ihren Amtsgeschäften nach.

Die Frage ist nur: Wissen die Besetzer dies eigentlich auch und haben es nur im Flugblatt und in der Redebeiträgen auf der Demo aufgrund ihrer Bauernfängerstrategie verschwiegen, um „die Bevölkerung“ nicht zu verschrecken? Oder sind sie in Wahrheit selbst Bauern, die gar nichts anderes wollen als kostenlose Hüpfburgen?

Büro für mentale Randale, Dienstsitz Dortmund

August 2014

Ein kleines Experiment

Nehmen Sie einmal den Sammelband Spektakel Kunst Gesellschaft (herausgegebene von St. Grigat, Joh. Grenzfurther und Gün. Friesinger, erschienen im Verbrecher-Verlag) zur Hand und schlagen die Seite 5 auf. Hier beginnt ein Aufsatz von »Biene Baumeister Zwi Negator«, »›Situationistische Revolutionstheorie – Communistische Aktualität und linke Verblendung«. Diesen lesen Sie nun und dabei unterstreichen Sie die Sätze, die sinnfrei sind oder konfus, verschwurbelter Unsinn oder sich auf Zitate stützen, die ganz anderes sagen.

Wer hat am Ende nicht den ganzen Text unterstrichen? Zuschriften an die Redaktion. Dem Sieger droht eine großzügige Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, der Studienvertretung Politikwissenschaft der Universität Wien und der Studienvertretung Doktorand der Universität Wien.