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Boltimore-Broschüre

Das Übersetzer-Kollektiv et al. hat eine Broschüre zu den Riots in Baltimore gemacht.
Inhalt: Vorbemerkung, Teilnehmer: Letzte Nacht in Baltimore, Chris Wright: Baltimore in Flammen, Interview mit CrimethInc., Situationistische Internationale: Niedergang und Fall der spektakulären Warenökonomie.
Irgendwo zirkulieren auch gedrucke Exemplare.

Ivo der Aufständige

Wer würde keinen Frust verspüren, wenn er oder sie dazu gezwungen wäre, in einem öden Freiluftgefängnis zu hausen und dabei den Klischee-darstellenden Hanswurst für einem paar höhergestellte Idioten spielen zu müssen?
In Deutschland kann uns ein gar nicht so primitiver Primat mit einer Geste an das erinnern, was grundsätzlich von allen gespürt wird: Der Zorn über ein Überleben in Sklaverei und Langeweile.
Wenn bereits die Zooinsassen, denen man nur durch die Gewalt der Einsperrung ihre Minderwertigkeit gegenüber den angeblich vernunftbegabten Menschen zu beweisen können glaubt, gegen ihre aufgezwungene Rolle rebellieren, ist es langsam an der Zeit, dass die Proleten ihnen nachfolgen und mit der Zerstörung aller Gefängnisse und ihrem eigenen Proletensein beginnen. Allein schon, um sich vor den Tieren nicht lächerlich zu machen.

Die Wut ist auf der Straße

Schaut euch die belgischen Kolleginnen und Kollegen an, das ist eine Antwort an die Herrschenden, die nicht auf Knien geht!

»Sie sollen die Finger vom Geld der Hafenarbeiter lassen. Wenn sie das nicht tun, dann kommt es eben hart auf hart.«
Kranführer Marc Mouzicos gegenüber VRT-Nieuws, 6.11.14

Reallohneinbußen, Renteneintrittsalteranhebung, Hartz IV, Niedriglohnsektor, 2-Klassen-Medizin, Rentenarmut, usw., usf. – hierzulande ist es üblich, solche Reformen genannten Raubzüge bei den Arbeitern und Armen hinzunehmen als wären sie naturgegeben wie schlechtes Wetter. Motzen und meckern: okay, aber nur in den eigenen Vier-Wänden, vielleicht noch in der Kneipe; Protest oder gar Widerstand: bloß nicht. Da sind sich Arbeiter und Gewerkschaften mit den Herren der Produktion einig.
Das ist nicht in allen Ländern so. Aktuell rumort es in Belgien ein wenig. Gewerkschaften und Linksradikale hatten für den 6.11. zu einem landesweiten Streik gegen die »Sparpolitik« der Regierung aufgerufen, in manchen Fabriken standen die Maschinen komplett still, in anderen nicht, in vielen Regionen sollen bis zur Hälfte der Produktion ausgefallen sein. 120.000 Arbeiterinnen und Arbeiter demonstrierten in Brüssel. Es entwickelten sich Auseinandersetzungen als Antwerpener Hafen-Arbeiter die Polizei angriffen, Steine flogen, einige Autos wurden zu brennenden Barrikaden umfunktioniert, es gab Verletzte auf beiden Seiten; eine hübsche Bilderstrecke findet sich hier: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2824057/Brussels-burns-100-000-protesters-clash-police-march-against-EU-austerity-measures.html. Dies war erst der Auftakt zu einer Kampagne gegen die europäische und belgische Austeritätspolitik. Höhepunkt soll ein Generalstreik im Dezember sein.
Bereits 2012 zeigten sich 250 belgische Ford-Arbeiter, die aufgrund der geplanten Werkschließung aus Genk nach Köln kamen, rabiater als ihre deutschen Kollegen. »Arbeiter aus Belgien haben vor dem Ford-Werk in Köln randaliert. Sie zündeten vor der Europa-Zentrale des amerikanischen Autobauers mehrere Autoreifen an, stürmten auf das Firmengelände und warfen Fensterscheiben ein – aus Protest gegen die geplante Schließung des Ford-Werks im belgischen Genk.« Die 400 angerückten deutschen Bullen seien mit Böllern beworfen worden. (»FAZ«, 7.11.12) Einer der belgischen Arbeiter stand letzte Woche in Köln vor Gericht, fünf weitere sollen im kommenden Sommer vor den Kadi gezerrt werden.

Warum sympathisiert das Büro für mentale Randale mit belgischen Arbeitern, die ihre Situation im Kapitalismus verteidigen wollen? Weil sie nicht bereit sind, alles still zu erdulden. Weil eine Selbstorganisation der Proletarisierten nicht vom Himmel fällt. Weil eine Bewegung sich radikalisieren kann; und wenn sie es nicht tut, sondern zusammenbröselt machen die Proleten doch Erfahrungen, die sie sonst nicht machen. – Die deutsche Friedhofsruhe aber kann nur noch ätzender werden. Die faschistische Hölle bricht da aus, wo vorher alles kampflos hingenommen wurde.